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LogopÀdie
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LogopĂ€die (von altgriechisch λÏÎłÎżÏ lĂłgos, deutsch âWortâ und ÏαÎčΎΔÏΔÎčΜ paideuein, deutsch âerziehenâ; wörtlich also âSprecherziehungâ) ist die Fachdisziplin, die Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- oder HörbeeintrĂ€chtigung zum Gegenstand hat. Sie beschĂ€ftigt sich mit PrĂ€vention, Beratung, Diagnostik, Therapie und Rehabilitation, Lehre und Forschung auf den Gebieten der Stimme, Sprache, des Sprechens, Schluckens, deren jeweilige Störungen und Therapierung, sowie der Kommunikation und des Hörens. Der Begriff wurde 1913 erstmals benutzt und 1924 durch den Wiener Mediziner Emil Fröschels fĂŒr die (medizinische) Sprachheilkunde eingefĂŒhrt, die ab etwa 1911 als ErgĂ€nzung zur Lehre von den Erkrankungen der oberen Atemwege und deren Therapie zunehmend an Bedeutungcite-ref-1[1] gewann.
Contents
âą Deutschland
âą Ăsterreich
âą Schweiz
⹠BerufsverbÀnde
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Geschichte der LogopÀdie
Deutschland
Erste vierwöchige Lehrkurse fĂŒr âSprachheilkundlerâ gab es 1886 in Potsdam. FĂŒnf Jahre darauf waren 115 Kursisten ausgebildet, auĂerdem wurde als eine der ersten Institutionen die Berliner Ambulanz fĂŒr Sprachkranke eröffnet, welche Kurse fĂŒr sprachgebrechliche Kinder anbot. Diese Kurse mit acht bis zehn Kindern dauerten etwa drei bis vier Monate mit ein bis zwei Stunden tĂ€glich. Nach 1918 wurde das Arbeitsgebiet der Sprachheilkunde deutlich erweitert, die Sprechkunde wurde akademisches Lehrfach. Ergebnisse der Psychoanalyse und der Individualpsychologie fĂŒhrten zu neuen Methoden. Nachdem 1913 der Begriff LogopĂ€die erstmals benutzt worden war, erfolgte die offizielle EinfĂŒhrung in die medizinische Fachsprache 1924 durch Emil Fröschels in Wien. Er fĂŒhrte den ersten internationalen Kongress fĂŒr LogopĂ€die und Phoniatrie in Wien durch, auf dem gefordert wurde, eine Ausbildung auf wissenschaftlicher Basis mit einer akademischen AbschlussprĂŒfung einzufĂŒhren. Bis zum Jahre 1945 gab es jedoch keine eigenstĂ€ndige Ausbildung.
Im Jahre 1949 verlegte Hermann Gutzmann jr. nach seinem Weggang von der CharitĂ© seine privat gefĂŒhrte Sprachambulanz nach Berlin-Dahlem und nannte sie âZentralstelle fĂŒr Stimm- und Sprachkrankeâ. Die Berufsbezeichnung des LogopĂ€den wurde im Jahre 1957 offiziell eingefĂŒhrt, fĂŒnf Jahre darauf eröffnet Gutzmann die erste LogopĂ€den-Lehranstalt. Mit der Beendigung dieses Kurses wurde â nach langen Verhandlungen mit der Senatsverwaltung â die staatliche Anerkennung ausgesprochen. 1974 wurden die Krankenkassen durch das Rehabilitationsangleichungsgesetz zur KostenĂŒbernahme fĂŒr logopĂ€dische Therapien verpflichtet. Zeitgleich erstellten die Rentenversicherungsanstalten einen neuen Rahmen fĂŒr die Rehabilitation. Dadurch wurde die neurologische Reha ein groĂer Arbeitsbereich in der LogopĂ€die. 1977 wurde eine Ausbildungs- und PrĂŒfungsordnung erarbeitet. Auf dieser Basis wurde am 7. Mai 1980 das Gesetz zum Beruf des LogopĂ€den (LogopG) verabschiedet; im Herbst folgte die Ausbildungs- und PrĂŒfungsverordnung (LogAPrO). In diesem Berufsgesetz wurde der mittlere Bildungsabschluss als Voraussetzung fĂŒr die berufsfachschulisch angesiedelte LogopĂ€dieausbildung festgelegt.
Ăsterreich
Die AnfĂ€nge der LogopĂ€die in Ăsterreich wurden stark von Emil Fröschels (1886â1972) geprĂ€gt. 1909 gab es in Wien eine eigene Sprachambulanz, seit 1913 wird der Begriff LogopĂ€die verwendet, dieser hat sich ĂŒber den Zeitraum von mehr als 100 Jahren aber stark profiliert. 1924 fand der IALP GrĂŒndungskongress in Wien statt. Die Ausbildung zum LogopĂ€den hatte anfangs keinen festen Rahmen. SpĂ€ter war sie im Rahmen des Krankenpflegegesetzes in Schulen organisiert. 1968 gab es die erste Schule in Linz, danach folgen Innsbruck und Wien, Graz, Ried und Klagenfurt. Erste LogopĂ€die-VerbandsgrĂŒndungen erfolgend in den 1970er Jahren. 1981 kam es zur GrĂŒndung des Bundesverbandes der Diplomierten LogopĂ€dinnen und LogopĂ€den. SpĂ€ter folgte die Umstrukturierung des Bundesverbandes in logopĂ€dieaustria. Ab 1992 erfolgte die nun dreijĂ€hrige Ausbildung lt. MTD Gesetz in Akademien fĂŒr den logopĂ€disch-phoniatrisch-audiologischen Dienst. Das MTD Gesetz regelt die Rechte und Pflichten des Gesundheitsberufes LogopĂ€die.cite-ref-2[2] Die Berufsbezeichnungen âLogopĂ€dinâ und âLogopĂ€deâ sind in Ăsterreich durch § 10 (1) Z6 MTD-G geschĂŒtzt. Der Beruf selbst ist in § 2 (6) MTD-G folgendermaĂen verankert: âDer logopĂ€disch-phoniatrisch-audiologische Dienst umfasst die eigenverantwortliche logopĂ€dische Befunderhebung und Behandlung von Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörstörungen sowie audiometrische Untersuchungen nach Ă€rztlicher oder zahnĂ€rztlicher Anordnungâ. Mit den Novellen 31/1973 und BGBl. 676/1991 wurde das Leistungsspektrum des ASVG erweitert. LogopĂ€dische Leistungen wurden mit Ă€rztlichen Leistungen gleichgestellt. Seit 2005 erfolgt die Ausbildung an Fachhochschulen und schlieĂt mit dem âBachelor of Science in Health Studiesâ ab. 2009 wurde der erste Masterstudiengang fĂŒr LogopĂ€die an der Donau-UniversitĂ€t Krems in Krems implementiert. 2013 kam es zur Erfassung der LogopĂ€die in der Systematik der Wissenschaften (Manual de Frascati) in der 3. Hauptgruppe (Humanmedizin, Gesundheitswissenschaften Human Medicine, Health Sciences) mit der Nummer 302 042. Seit einer Ănderung der gesetzlichen Grundlagen im Februar 2015 dĂŒrfen LogopĂ€den andere LogopĂ€den anstellen.
Schweiz
Der in den Niederlanden lebende Schweizer Arzt und Taubstummenlehrer Johann Konrad Ammann (1669â1724) gilt als einer der ersten Verfasser von Anleitungen zur Taubstummenerziehung und als der einflussreichste Gehörlosenlehrer seiner Zeit. Er lehrte das Lippenlesen, die BenĂŒtzung des Kehlkopfspiegels und lieĂ die Kehlkopfvibrationen spĂŒren. Er betonte die Wichtigkeit des Sprechens als wesentlichstes menschliches Merkmal und lieferte damit die philosophische Grundlage fĂŒr die Oralisten. Seine BĂŒcher Surdus loquens (Der sprechende Taube) und seine Dissertation von 1700 (Dissertatio de loquela) wurden in mehrere Sprachen ĂŒbersetzt und hatten eine groĂe Relevanz fĂŒr die Entwicklung der Gehörlosenbildung in Deutschland.
Der Pfarrer und Taubstummenlehrer Heinrich Keller (1728â1802) grĂŒndete 1777 in seinem Pfarrhaus in Schlieren die erste kleine Taubstummenschule, in der er die Lautsprache lehrte. 1786 erschien sein Lehrbuch fĂŒr den Taubstummenunterricht Versuch ĂŒber die beste Lehrart Taubstumme zu unterrichten.
Der Arzt Rudolf Schulthess (1802â1833) publizierte 1830 sein Buch Das Stammeln und Stottern, in dem er eine erste exakte Unterscheidung von Stammeln und Stottern vornahm.
Der Arzt Otto Laubi (1861â1925) praktizierte ab 1889 als erster HNO-Spezialist in ZĂŒrich. Als ehemaliger Arzt in der psychiatrischen Anstalt Rheinau favorisierte er â wie spĂ€ter Emil Fröschels â die psychogene Sicht des Stotterns. Ab 1893 fĂŒhrte er regelmĂ€Ăige ohrenĂ€rztliche Untersuchungen bei ZĂŒrcher Schulkindern durch. 1918 fĂŒhrte er an der 1917 von Felix Robert Nager gegrĂŒndeten HNO-Klinik des ZĂŒrcher UniversitĂ€tsspitals ehrenamtlich die erste öffentliche Sprechstunde fĂŒr Stimm- und Sprachgebrechen ein, verbunden mit einem Ableseunterricht fĂŒr Schwerhörige.
1928â1932 ĂŒbernahm Arnold Karl Kistler die phoniatrische Sprechstunde an der HNO-Klinik ZĂŒrich. Er grĂŒndete 1934 mit dem SchwyzerhĂŒsli das erste Sprachtherapieheim in ZĂŒrich.
1942 wurde in ZĂŒrich die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft fĂŒr Sprachgebrechliche (SAS) (ab 1960: Schweizerische Arbeitsgemeinschaft fĂŒr LogopĂ€die SAL) als Fachverband der Pro Infirmis gegrĂŒndetcite-ref-3[3]. GrĂŒndungsmitglieder waren Karl Kistler, Hans Petersen, Hedwig Sulser, Hans Ammann, Ernst Bieri, Melanie Scheit sowie Mitglieder aus der Romandie und dem Tessin. Karl Kistler amtete als erster PrĂ€sident von 1942 bis 1962.
Die SAS begann 1947 als erste Institution der Schweiz systematisch LogopĂ€dinnen und LogopĂ€den auszubilden. Der Taubstummenlehrer und LogopĂ€de Hans Petersen war 1947â1973 Ausbildungsleiter. 1948 stellte die SAS fĂŒr Eva Bernoulli das erste schweizerische Diplom fĂŒr LogopĂ€die aus.cite-ref-4[4] Die Primar- und Sprachheillehrerin/LogopĂ€din Hedwig Sulser-Bachmann grĂŒndete 1947 den ersten Sprachheilkindergarten auf der Egg in ZĂŒrich-Wollishofen. 1979â1984 leitete sie die von ihr konzipierten SAS-Kurse fĂŒr Gruppenleiterinnen an SprachheilkindergĂ€rten.
1949 startete das HeilpÀdagogische Institut der Université de Fribourg seinen ersten Ausbildungsgang zur akademischen LogopÀdenausbildung.
Die interdisziplinĂ€re Gesellschaft fĂŒr Phoniatrie, LogopĂ€die und Audiologie wurde 1953 gegrĂŒndet. 1960 erfolgte die GrĂŒndung der ebenfalls interdisziplinĂ€ren SociĂ©tĂ© Romande dâAudiophonie de Pathologie du Language (heute SociĂ©tĂ© Romande dâAudiologie, de Phoniatrie et de LogopĂ©die SRAPL).
1961 entstand am Institut fĂŒr Spezielle PĂ€dagogik und Psychologie Basel eine LogopĂ€dieausbildung und 1973 eine solche am HeilpĂ€dagogischen Seminar in ZĂŒrich (heute Interkantonale Hochschule fĂŒr HeilpĂ€dagogik HfH).
1967 wurde die von CĂ©cile Schwarz gegrĂŒndete und geleitete Abteilung fĂŒr Sprach- und Stimmstörungen an der HNO-Klinik des UniversitĂ€tsspitals ZĂŒrich eröffnet. Sie ermöglichte eine dreijĂ€hrige Weiterbildung zum Erwerb eines Diploms in klinischer LogopĂ€die, das auf der dreijĂ€hrigen logopĂ€dischen Grundausbildung aufbaute. Die LogopĂ€die und PĂ€doaudiologie wurde 1971 von Christian Heldstab am Kinderspital ZĂŒrich aufgebaut.
1971 wurde das logopĂ€dische Zentrum (Fachstelle) der Stadt ZĂŒrich mit der Primarlehrerin und LogopĂ€din Eva Guldenschuh als pĂ€dagogische Leiterin gegrĂŒndet. Sie gab Vorlesungen fĂŒr LogopĂ€den und organisierte die LogopĂ€denausbildung am HeilpĂ€dagogischen Seminar (HPS), die 1973 begann.
1978 entstand der Schweizerische Berufsverband der LogopĂ€den (SBL), an dessen GrĂŒndung die SAL maĂgeblich beteiligt war. Der SBL wurde im Jahre 1985 in die regionalen Sprachgruppen BerufsverbĂ€nde Deutschschweizer LogopĂ€den Verband (DLV), Association Romande des LogopĂ©distes DiplomĂ©s (ARLD), Associazione Logopedisti della Svizzera Italiana (ALOSI), aufgeteilt.
1979 erfolgte die GrĂŒndung der Konferenz der Leiter von Sprachheilschulen mit dem Zweck, fĂŒr die Behörden ein Ansprechpartner zu sein und die Fragen rund um die Praktikanten und die Fort- bzw. Ausbildung von LehrkrĂ€ften an Sprachheilklassen zu regeln. 1980 wurde erstmals die Zeitschrift LogopĂ€die in ZĂŒrich herausgegeben und 1981 entstand die erste Rahmenordnung fĂŒr die Ausbildung des LogopĂ€den in der Schweiz. Der Deutschschweizer LogopĂ€dinnen- und LogopĂ€denverbandes DLV wurde 1998 gegrĂŒndet.
Ausbildung in Deutschland
Die Ausbildung ist durch das Gesetz ĂŒber den Beruf des LogopĂ€den (LogopG) und die Ausbildungs- und PrĂŒfungsordnung fĂŒr LogopĂ€den (LogAPrO) geregelt. Es handelte sich bis 2009 um eine berufsfachschulische Ausbildung. Mit EinfĂŒhrung einer Modellklausel 2009 in das Berufsgesetz der LogopĂ€den (§ 4 Abs. 4 und 5 LogopG) wurde es möglich, die Ausbildung schulisch und hochschulisch anzubieten. Die schulische Ausbildung erfolgt an staatlich anerkannten Schulen und dauert 3 Jahre. Die StudiengĂ€nge sind ebenso entsprechend der bundesgesetzlichen Regelungen des LogopG und der LogAPrO aufgebaut und dauern 3,5 bis 4 Jahre (7 bis 8 Semester). Beide Ausbildungsformen umfassen die gleiche praktische Ausbildung und in beiden Formen muss das staatliche Examen abgelegt werden. Die StudiengĂ€nge unterscheiden sich im theoretischen und praktischen Unterricht (Anlage der LogAPrO) von der schulischen Ausbildung. Mit erfolgreich absolviertem Examen dĂŒrfen die SchĂŒlerinnen/SchĂŒler und Studentinnen/Studenten somit nach § 1 LogopG die Berufsbezeichnung LogopĂ€din/LogopĂ€de tragen. Nur die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung nach dem Berufsgesetz und der ergĂ€nzenden Ausbildungs- und PrĂŒfungsordnung berechtigt zum Tragen der Berufsbezeichnung. Die Studentinnen/Studenten der LogopĂ€diestudiengĂ€nge beenden ihre Ausbildung 1 bis 2 Semester (je nach Gestaltung des Studiengangs) nach dem LogopĂ€dieexamen mit einer Bachelorarbeit, um dann den Bachelorgrad zu erhalten (Bachelor of Science). Die Modellphase zur Erprobung der hochschulischen Ausbildung endet am 31. Dezember 2024 (§ 11 LogopG). Ab dem 1. Januar 2025 können somit BundeslĂ€nder und Hochschulen -entsprechend der Regelungen der derzeitigen Fassung des LogopG und der LogAPrO- regulĂ€re StudiengĂ€nge aufbauen, die zu dem berufsqualifizierenden Abschluss als LogopĂ€din/LogopĂ€de fĂŒhren.
Es wird davon ausgegangen, dass 2026 die notwendige Berufsgesetznovellierung erfolgt, und damit die hochschulische Ausbildung, so wie seitens des Deutschen Bundesverbandes fĂŒr LogopĂ€die und den VerbĂŒnden Arbeitskreis Berufsgesetz LogopĂ€die/Sprachtherapie und dem BĂŒndnis Therapieberufe an die Hochschule gefordert wird.
Ausbildung in Ăsterreich
Berufe in der Stimm-, Sprach- und Sprechtherapie
In der Therapie sind sowohl LogopĂ€den als auch Klinische Sprechwissenschaftler (Klinische Sprechwissenschaft), Atem-, Sprech- und Stimmlehrer, Klinische Linguisten (Klinische Linguistik) und Diplom-SprachheilpĂ€dagogen sowie examinierte SprachheilpĂ€dagogen tĂ€tig. Der Unterschied dieser beiden letzten Berufsgruppen ist jedoch weitgehend unbekannt. Eine gewisse Sonderstellung nehmen FachĂ€rzte fĂŒr Stimm-, Sprach- und kindliche Hörstörungen (frĂŒher: FachĂ€rzte fĂŒr Phoniatrie und PĂ€daudiologie) ein. Neben der Ă€rztlichen Diagnostik gehört auch die Therapie mit zur Facharztausbildung. Das Arbeitsgebiet der konventionellen Therapie aller genannten Berufsgruppen ist nahezu deckungsgleich. FĂŒr die Angehörigen der nichtĂ€rztlichen Heilberufe erstreckt sich die TĂ€tigkeit in den freien Praxen auf Diagnostik, Therapie und Beratung bei Stimm-, Sprech-, Sprach-, Hör- und Schluckstörungen bei Patienten aller Altersgruppen.
BerufsverbÀnde
Es gibt in der Bundesrepublik Deutschland verschiedene VerbĂ€nde. Der 1964 gegrĂŒndete Deutsche Bundesverband fĂŒr LogopĂ€die ist der gröĂte Berufs- und Fachverband der LogopĂ€den in Deutschland. GegenĂŒber Politik, Verwaltung, Krankenkassen und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen vertritt er die Interessen der freiberuflichen und angestellten LogopĂ€den. Ăberdies arbeitet der Verband fĂŒr die Verbreitung von Fachwissen. Die Deutschsprachige Gesellschaft fĂŒr Sprach- und Stimmheilkunde vertritt interdisziplinĂ€r verschiedene Berufsgruppen (Sprech- und Sprachwissenschaften, Medizin, Musikwissenschaften, LogopĂ€die, PĂ€dagogik, Psychologie) in wissenschaftlichen, diagnostischen und therapeutischen Belangen als Dachverband. Im MĂ€rz 2014 grĂŒndete sich Deutschlands erste interdisziplinĂ€re Interessenvertretung im Heilmittelbereich, der Bund vereinter Therapeuten e. V., in Hagen. Hier sind LogopĂ€den, Ergotherapeuten, Podologen, Physiotherapeuten und Masseure gleichermaĂen vertreten. Nach dem Relaunch im Mai 2018 heute unter Vereinte Therapeuten bekannt. Am 29. November 2014 wurde in Frankfurt am Main von rund 170 Therapeuten der Verband LOGO-Deutschland gegrĂŒndet. Er vertritt erklĂ€rtermaĂen ausschlieĂlich die Interessen selbstĂ€ndiger LogopĂ€den und Sprachtherapeuten. Nach eigenen Angaben hĂ€lt der Verband jedoch auch eine angemessene VergĂŒtung von Angestellten im Blick. Im Februar 2017 wurde der Verband Deutscher LogopĂ€den und Sprachtherapeutischer Berufe e. V. (VDLS) in Köln gegrĂŒndet.cite-ref-7[7] Er tritt fĂŒr SelbststĂ€ndige und Angestellte gleichermaĂen ein und setzt sich unter anderem fĂŒr Einkommensanpassungen ein, um eine sichere Existenz und Aufbau einer ausreichenden Altersversorgung zu ermöglichen. Der Verein sieht sich als basisdemokratisch und benutzt fast ausschlieĂlich elektronische Medien. In Ăsterreich vertritt der Berufsverband logopĂ€dieaustria die Interessen der LogopĂ€dinnen und LogopĂ€den in der Ăffentlichkeit. Er ist als Verein organisiert und ist einer der sieben BerufsverbĂ€nde der gehobenen medizinisch-technischen Dienste (MTD) im Dachverband MTD-Austria. Dieser wurde 1984 gegrĂŒndet und hat seinen Sitz in Wien. In der Schweiz wird nicht zwischen LogopĂ€den und SprachheilpĂ€dagogen unterschieden. Das Berufsbild der Schweizer LogopĂ€den entspricht in etwa demjenigen der deutschen SprachheilpĂ€dagogen.
LogopÀdie als Handlungswissenschaft bzw. Therapie
Das Interesse der LogopÀdie ist auf das konkrete Handeln (Vorbeugung, Beratung, Erfassung, Behandlung, Rehabilitation) gerichtet. Die in den vergangenen Jahren erzielten Forschungsergebnisse zu allen Bereich der LogopÀdie haben dazu entscheidend beigetragen, dass beispielsweise Diagnostiken, Behandlungen sowie die Betreuung von Patientinnen/Patienten weiterentwickelt wurden. Die Klientel umfasst alle Altersgruppen.
Im frĂŒhkindlichen Bereich ĂŒberwiegen die Behandlungen von Störungen der Sprachentwicklung auf den sprachlichen Ebenen Wortschatz, Grammatik und Phonologie. Neben den expressiven AuffĂ€lligkeiten werden insbesondere auch Störungen des SprachverstĂ€ndnisses (rezeptive Störung) behandelt. WĂ€hrend des Kindergartenalters und des Vorschulalters findet man gehĂ€uft Probleme im Rahmen einer Sprachentwicklungsverzögerung bzw. -störung. Darunter fallen zum Beispiel Dysgrammatismus (Störungen des Satzbaus und Störungen der Wortflexion, z. B. Verwendung des Plurals), Dyslalie (reine Artikulationsstörung), Auslassungen, Ersetzungen sowie VerĂ€nderungen einzelner Laute und Lautverbindungen (Phonologische Störung). LogopĂ€den behandeln auĂerdem Balbuties (Stottern), Poltern, ein myofunktionelles Muskelungleichgewicht und Stimmstörungen. Ebenso behandeln LogopĂ€den Patienten mit
âą Dysarthrie (gestörte AusfĂŒhrung von Artikulationsbewegungen auf Grund einer neurologischen BeeintrĂ€chtigung, z. B. SchĂ€digung eines Nervs; oft auch prĂ€ziser als Dysarthrophonie bezeichnet, da meist auch der Stimmklang betroffen ist)
⹠Dysphagie (Schluckstörungen)
⹠Sprachstörungen nach einem Schlaganfall oder anderen neurologischen BeeintrÀchtigungen bzw. Unfallfolgen (Aphasie)
⹠Sprechapraxie (gestörte Planung der Artikulationsbewegung ohne SchÀdigung des Fazialnerves).
Neuerdings behandeln LogopĂ€den auch immer hĂ€ufiger Kinder im Schulalter, die aufgrund einer frĂŒheren Sprachentwicklungsstörung als Folgesymptomatik Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb entwickeln (Schriftspracherwerbsstörung; frĂŒher auch Legasthenie, LRS, Dyslexie oder Dysgrafie genannt).
Die logopĂ€dischen MaĂnahmen umfassen das Erstellen einer Diagnose, Beratung und die Therapie von Störungen des SprachverstĂ€ndnisses, der gesprochenen und geschriebenen Sprache, des Sprechens, der Atmung, der Stimme, der Mundfunktion, des Hörvermögens, des Schluckens und der Wahrnehmung. DarĂŒber hinaus werden vor allem im Bereich der Stimme auch prĂ€ventive MaĂnahmen angeboten; insbesondere gilt dies fĂŒr Berufsgruppen, die ihre Stimme beruflich viel und ausgeprĂ€gt nutzen mĂŒssen (so z. B. Lehrende). Die regelmĂ€Ăige und ausfĂŒhrliche Beratung der Angehörigen (Eltern, Partner, Kinder) gehört vor allem bei Kindern und bei schwergestörten Erwachsenen zum TĂ€tigkeitsfeld, da nur so eine VerĂ€nderung der KommunikationsfĂ€higkeit im Alltag erreicht werden kann.
Anwendungsfelder (Auswahl)
⹠Aphasien (z. B. nach Schlaganfall, UnfÀllen/SchÀdel-Hirn-Trauma)
⹠Dysarthrie: Koordinationsstörung von Stimme, Artikulation, Atmung und Tonus (z. B. bei infantiler Zerebralparese, Morbus Parkinson, ALS (Amyothrophische Lateral-Sklerose), Multiple Sklerose, SchlaganfÀllen und SchÀdel-Hirn-Trauma)
⹠Dysgrammatismus (eingeschrÀnkte grammatikalische FÀhigkeiten)
âą Dyslalien (phonetische): Sprech- und Artikulationsfehler, Lispeln
⹠Dysphagie (Schlucktherapie): neurologische Schluckstörungen (z. B. nach Schlaganfall oder bei infantiler Zerebralparese), postoperative Schluckstörungen (z. B. nach Entfernung von Rachen- oder Zungenteilen wegen Tumoren)
⹠Dysphonien: Stimmstörungen
⹠eingeschrÀnkter Wortschatz, sowohl aktiv als auch passiv
âą Phonologische Störungen: Störung der korrekten Lautverwendung (z. B. Vertauschungen, Auslassungen, HinzufĂŒgungen)
⹠Sprachentwicklungsstörungen und -verzögerungen bei Kindern (SES, spezifische Sprachentwicklungsstörung)
⹠SprechtonÀnderung im Rahmen geschlechtsangleichender Behandlungen (siehe auch Transgeschlechtlichkeit)
⹠Störungen des Hörens und der auditiven Wahrnehmung
âą UnterstĂŒtzte Kommunikation (Diagnostik, Beratung und Therapie im Sinne der Erweiterung der kommunikativen Möglichkeiten bei Menschen mit fehlender oder stark eingeschrĂ€nkter Lautsprache)
Ablauf der Behandlung
Die logopĂ€dische Therapie beginnt grundsĂ€tzlich mit einer eigenen Diagnostik (geregelt im Versorgungsvertrag fĂŒr die Sprach, Sprech-, Stimm- und Schlucktherapie â Grundlage: § 125 SGB V). Da die LogopĂ€die verordnungspflichtig ist, erfolgt die logopĂ€dische Diagnose aufgrund der in Muster 13 dargelegten Ă€rztlichen Darstellung. Zusammen mit dem Ă€rztlichen Befund bilden die Ergebnisse dieser Diagnose die Grundlage fĂŒr die Auswahl der Behandlungsmethoden. Die störungsspezifischen Methoden werden patientenorientiert angewandt, um die gemeinsam mit dem Patienten und/oder seinen Bezugspersonen festgelegten Therapieziele zu erreichen. DarĂŒber hinaus gehören beispielsweise BeratungsgesprĂ€che, GesprĂ€chen ĂŒber den Behandlungsverlauf, Hilfe und Anleitungen zu eigenen Ăbungen und Wiederholungen zur Therapie dazu.
Literatur
âą Thomas Brauer, JĂŒrgen Tesak: LogopĂ€die â Was ist das? mit 2 Audio-CDs, 5., ĂŒberarbeitete Auflage, Schulz-Kirchner, Idstein 2014, ISBN 978-3-8248-0364-4.
âą Julia SiegmĂŒller, Henrik Bartels (Hrsg.): Leitfaden Sprache â Sprechen â Stimme â Schlucken. Urban und Fischer bei Elsevier, MĂŒnchen 2006, ISBN 978-3-437-47780-5.
âą Ulrike Franke: LogopĂ€disches Handlexikon, mit 27 Tabellen. UTB, MĂŒnchen 2008, ISBN 978-3-8252-0771-7; Reinhardt, Basel 2008, ISBN 978-3-497-01992-2.
âą Manfred Grohnfeldt (Hrsg.): Lexikon der Sprachtherapie, Kohlhammer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-17-018665-1.
âą LOGOS. Die Fachzeitschrift fĂŒr akademische Sprachtherapie und LogopĂ€die. ProLog, Köln, ISSN 0944-405X F 20923, www.logos-fachzeitschrift.de
Weblinks
Commons
: LogopÀdie
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âą Literatur von und ĂŒber LogopĂ€die im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
âą Logo Deutschland â Interessenvertretung selbstĂ€ndiger LogopĂ€dInnen und SprachtherapeutInnen in Deutschland e. V.
âą Deutscher Bundesverband fĂŒr LogopĂ€die (dbl)
⹠Berufsverband logopÀdie austria
⹠Deutschschweizer LogopÀdinnen- und LogopÀden-Verband, DLV
⹠Bundesverband deutscher LogopÀdieschulen
âą LogopĂ€die an Fachhochschulen in Ăsterreich
⹠LogopÀdische Datenbank mit Fachartikeln
Einzelnachweise
cite-note-11. â Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Ăbersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 61.
cite-note-22. â MTD-Gesetz (MTD-G). In: jusline.at. Abgerufen am 7. Juli 2018.
cite-note-33. â Hans Petersen: Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft fĂŒr LogopĂ€die. Pro Infirmis 1962/1963
cite-note-44. â Luzia Knobel: Eva Bernoulli. In: Gemeinde Lexikon Riehen.
cite-note-55. â Ausbildung. In: logopaedieaustria.at. Abgerufen am 15. Dezember 2018.
cite-note-66. â § 23 MTD-G Ausbildung fĂŒr den logopĂ€disch-phoniatrisch-audiologischen Dienst. In: jusline.at. Abgerufen am 5. Dezember 2018.
cite-note-77. â Manfred Herbst: JahresrĂŒckblick 2017. In: vdls-ev.de. Abgerufen am 9. Januar 2020.